Unsere heutige Welt ist voller Reformgedanken. Auf die jüngste Finanzkrise folgt die Verschärfung der Finanzmarktaufsicht und eine stärkere Regulierung der Banken und Anleger. Ein Amoklauf regt eine Reform des Gesetzes über den Waffenbesitz und -gebrauch an. Um den internationalen Terroismus zu bekämpfen, wird das Persönlichkeitsrecht angegriffen…So gut diese Reformen auch gemeint sind, sie gehen am Kern der Sache vorbei und verfehlen ihre Wirkung. Warum? Weil sie sich mit der erzwungenen Form der Verhaltensänderung befassen und nicht mit der Herzenseinstellung der Menschen.
Hier kommt der Leader ins Spiel. Er hat realisiert, dass wahre, dauerhafte Reformen nicht zuerst durch Verhaltensänderung sondern durch eine Verwandlung der Herzenshaltung erzielt werden. Er hat seine Herzenshaltung verändert und ist deshalb bereit, für andere ein Vorbild zu sein. Persönliche Veränderung kommt vor kollektiver.
Albert Schweitzer sagte über die Bedeutung von Leadership: “Vorbild ist nicht die Hauptsache in der Leiterschaft, sondern die einzige Sache.” Er sagte damit, dass alle Worte eines Leiters nutzlos sind, wenn sie nicht durch seinen Lebenswandel unterstrichen werden. Heuchelei ist wie ein Loch in der Glaubwürdigkeitstasche. Der ehemalige US-Aussenminister Colin Powell sagte: “Du kannst so viele Memos herausgeben und so viele motivierende Reden halten wie Du willst, doch wenn die Menschen in deiner Organisation nicht sehen, wie du jeden Tag dein Bestes gibst, werden sie es ebenfalls nicht tun.” Menschen tun, was Menschen sehen.
An dieser Stelle einige Prinzipien über das gelebte Vorbild:
- Die meisten Menschen lernen visuell, nicht verbal. 89% des Lernens ist visuell. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Die Menschen erwarten von ihrem Leiter, dass er es ihnen zeigt und nicht nur sagt.
- Gute Kommunikation macht eine Vision deutlich. Gutes Vorbild/Modell macht sie lebendig. Menschen wollen sehen, was möglich sein kann, wenn sie sich für die Annahme einer Vision entscheiden
- Es ist leichter, das Richtige zu lehren, als es zu tun. Wer das nicht glaubt, werfe einen Blick auf seine Kinder. Es ist so einfach, den Kindern etwas Richtiges zu lehren. Wenn man ihnen dabei aber das Falsche vorlebt, werden sie ebenfalls das Falsche tun.
- Leiter müssen zuerst an sich arbeiten, bevor sie an anderen arbeiten. Selbstleiterschaft kommt zuerst.
- Das wertvollste Geschenk, das ich jemand Anderem machen kann, ist, ein gutes Vorbild zu sein. Damit habe ich den Samen für eine richtige Herzenshaltung gesät.
In einer Studie einer Personalberatungsfirma wurden Angestellte danach gefragt, was sie sich am meisten von ihrem Vorgesetzten wünschen. Die Hauptantwort war: Der Chef soll durch Vorbild führen. Die zweithäufigste Antwort lautete: Der Chef soll über starke ethische und moralische Werte verfügen. Der Wunsch an den Leiter ist also, ein Vorbild mit starken ethischen und moralischen Überzeugungen zu sein.
Ein biblisches Beispiel für ein gelebtes Vorbild: Josia (2. Könige 22,1 – 23, 30)
Josia wurde König von Judäa im Alter von 8 ! Jahren nach dem Mord an seinen bösen Vater. Er besann sich auf die Werte, die sein Volk einmal so stark gemacht hatten. In 2. Könige 22, 2 (Hoffnung für Alle) lesen wir: ‘Josia tat, was dem Herrn gefiel. Er folgte dem guten Beispiel seines Vorfahren David und ließ sich durch nichts davon abbringen.‘
In Josias Umfeld waren einige gerechte Menschen, wie z.B. seine Mutter Jedida oder der Prophet Zefanja, die Josia in Gottes Wegen erzogen. Josia respektierte die Rolle geistlicher Leiter. Er behielt einen belehrbaren Geist mit dem Wunsch, Gottes Wort zu hören. Er hörte auf biblische Korrektur und reagierte mit persönlichem Zerbruch auf die Erkenntnis, wie weit sich das Volk von Gottes Gesetzen entfernt hatte. Als Ergebnis seiner Herzenshaltung wurde der Tempel wieder hergestellt und durch seinen Einfluss konnten die Auswirkungen von Jahrzehnten ungöttlicher Leiterschaft gelindert werden. Josia folgte voller Leidenschaft Gottes Richtung, ohne auf persönlichen Vorteil oder Prestige wert zu legen.
Er war ein beeindruckendes Beispiel für folgendes Prinzip: “So wie der Leiter voran geht, folgt das Volk.”
Der Zustand unserer Gesellschaft ist ein Spiegelbild der Leiter – in Wirtschaft, Politik, Sport, Gemeinde, Familie. Sind wir tatsächlich hungrig nach Reformen, so muss sich zuerst die Herzenshaltung der Leiter verändern. Ein Leiter nach dem anderen besinnt sich – Grosszügigkeit statt Gier, Selbstlosigkeit statt Egoismus, Zivilcourage statt Opportunismus, Ehrlichkeit statt Betrug, Liebe statt Streit, Sanftmut statt Gewalt…
Aber es wird keine Wirkung zeigen, wenn die Leader es nicht zuerst tun.
