Change Management durch Vorbild- Der Leader zwischen Verhaltensänderung und Herzverwandlung

Unsere heutige Welt ist voller Reformgedanken. Auf die jüngste Finanzkrise folgt die Verschärfung der Finanzmarktaufsicht und eine stärkere Regulierung der Banken und Anleger. Ein Amoklauf regt eine Reform des Gesetzes über den Waffenbesitz und -gebrauch an. Um den internationalen Terroismus zu bekämpfen, wird das Persönlichkeitsrecht angegriffen…So gut diese Reformen auch gemeint sind, sie gehen am Kern der Sache vorbei und verfehlen ihre Wirkung. Warum? Weil sie sich mit der erzwungenen Form der Verhaltensänderung befassen und nicht mit der Herzenseinstellung der Menschen.
Hier kommt der Leader ins Spiel. Er hat realisiert, dass wahre, dauerhafte Reformen nicht zuerst durch Verhaltensänderung sondern durch eine Verwandlung der Herzenshaltung erzielt werden. Er hat seine Herzenshaltung verändert und ist deshalb bereit, für andere ein Vorbild zu sein. Persönliche Veränderung kommt vor kollektiver.
Albert Schweitzer sagte über die Bedeutung von Leadership: “Vorbild ist nicht die Hauptsache in der Leiterschaft, sondern die einzige Sache.” Er sagte damit, dass alle Worte eines Leiters nutzlos sind, wenn sie nicht durch seinen Lebenswandel unterstrichen werden. Heuchelei ist wie ein Loch in der Glaubwürdigkeitstasche. Der ehemalige US-Aussenminister Colin Powell sagte: “Du kannst so viele Memos herausgeben und so viele motivierende Reden halten wie Du willst, doch wenn die Menschen in deiner Organisation nicht sehen, wie du jeden Tag dein Bestes gibst, werden sie es ebenfalls nicht tun.” Menschen tun, was Menschen sehen.
An dieser Stelle einige Prinzipien über das gelebte Vorbild:

  1. Die meisten Menschen lernen visuell, nicht verbal. 89% des Lernens ist visuell. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Die Menschen erwarten von ihrem Leiter, dass er es ihnen zeigt und nicht nur sagt.
  2. Gute Kommunikation macht eine Vision deutlich. Gutes Vorbild/Modell macht sie lebendig. Menschen wollen sehen, was möglich sein kann, wenn sie sich für die Annahme einer Vision entscheiden
  3. Es ist leichter, das Richtige zu lehren, als es zu tun. Wer das nicht glaubt, werfe einen Blick auf seine Kinder. Es ist so einfach, den Kindern etwas Richtiges zu lehren. Wenn man ihnen dabei aber das Falsche vorlebt, werden sie ebenfalls das Falsche tun.
  4. Leiter müssen zuerst an sich arbeiten, bevor sie an anderen arbeiten. Selbstleiterschaft kommt zuerst.
  5. Das wertvollste Geschenk, das ich jemand Anderem machen kann, ist, ein gutes Vorbild zu sein. Damit habe ich den Samen für eine richtige Herzenshaltung gesät.

In einer Studie einer Personalberatungsfirma wurden Angestellte danach gefragt, was sie sich am meisten von ihrem Vorgesetzten wünschen. Die Hauptantwort war: Der Chef soll durch Vorbild führen. Die zweithäufigste Antwort lautete: Der Chef soll über starke ethische und moralische Werte verfügen. Der Wunsch an den Leiter ist also, ein Vorbild mit starken ethischen und moralischen Überzeugungen zu sein.

Ein biblisches Beispiel für ein gelebtes Vorbild: Josia (2. Könige 22,1 – 23, 30)
Josia wurde König von Judäa im Alter von 8 ! Jahren nach dem Mord an seinen bösen Vater. Er besann sich auf die Werte, die sein Volk einmal so stark gemacht hatten. In 2. Könige 22, 2 (Hoffnung für Alle) lesen wir: ‘Josia tat, was dem Herrn gefiel. Er folgte dem guten Beispiel seines Vorfahren David und ließ sich durch nichts davon abbringen.
In Josias Umfeld waren einige gerechte Menschen, wie z.B. seine Mutter Jedida oder der Prophet Zefanja, die Josia in Gottes Wegen erzogen. Josia respektierte die Rolle geistlicher Leiter. Er behielt einen belehrbaren Geist mit dem Wunsch, Gottes Wort zu hören. Er hörte auf biblische Korrektur  und reagierte mit persönlichem Zerbruch auf die Erkenntnis, wie weit sich das Volk von Gottes Gesetzen entfernt hatte. Als Ergebnis seiner Herzenshaltung wurde der Tempel wieder hergestellt und durch seinen Einfluss konnten die Auswirkungen von  Jahrzehnten  ungöttlicher Leiterschaft gelindert werden. Josia folgte voller Leidenschaft Gottes Richtung, ohne auf persönlichen Vorteil oder Prestige wert zu legen.
Er war ein beeindruckendes Beispiel für folgendes Prinzip: “So wie der Leiter voran geht, folgt das Volk.”

Der Zustand unserer Gesellschaft ist ein Spiegelbild der Leiter – in Wirtschaft, Politik, Sport, Gemeinde, Familie. Sind wir tatsächlich hungrig nach Reformen, so muss sich zuerst die Herzenshaltung der Leiter verändern. Ein Leiter nach dem anderen besinnt sich  – Grosszügigkeit statt Gier, Selbstlosigkeit statt Egoismus, Zivilcourage statt Opportunismus, Ehrlichkeit statt Betrug, Liebe statt Streit, Sanftmut statt Gewalt…

Aber es wird keine Wirkung zeigen, wenn die Leader es nicht zuerst tun.

Initiative – “Mach es zu Deinem Projekt/es gibt immer was zu tun”

Conrad Hilton, Gründer der gleichnamigen, weltbekannten Hotelkette sagte einmal: “Erfolg ist immer an Handlungen gekoppelt. Erfolgreiche Menschen sind bereit, Dinge in Bewegung zu setzen. Natürlich machen sie Fehler, aber bei ihnen gibt es keinen Stillstand.” Er drückt damit aus, dass Initiative ein wesentliches Kennzeichen eines wahren Leiters ist. Per Definition können Leiter nicht auf jemand Anderen warten, der sich bewegt; dies würde sie zu ‘Nachfolgern’ machen. Initiative beinhaltet sowohl das Eingehen von Risiken, den Einsatz von Glauben/Überzeugung sowie Voraussicht. Initiative lässt den Menschen seine Komfortzone verlassen. Ohne Initiative keine Weiterentwicklung/Verbesserung.
Es gibt verschiedene Ursachen, warum wir keine Initiative zeigen:

  1. Verunsicherung: wir befürchten, dass wir unsere Verpflichtung zur Initiative nicht aufrecht erhalten können.
  2. Unentschlossenheit: wir nehmen an, dass es noch bessere Lösungen gibt.
  3. Fehlende Hingabe: wir wollen Zeit & Energie nur für persönlichen Vorteil investieren.
  4. Emotionaler Rucksack: die Vergangenheit hat uns das Vertrauen genommen.
  5. Teilnahmslosigkeit: wir sind faul und unmotiviert.
  6. Geringer Selbstwert: wir haben Angst vor Ablehnung.
  7. Geringe Zuversicht: wir haben Angst vor dem Unbekannten & Ungewohnten.
  8. Anspruchshaltung: wir wollen unsere Freiheit nicht verlieren.
  9. Politische Korrektheit: wir haben Angst, anders als die Masse zu sein.
  10. Begabung/Bestimmung: wir wissen nicht wirklich, wer wir sind.

So verständlich jede dieser Ursachen auch sein mag, ein wahrer Leiter ist bereit, sie zu überwinden. Er hat sich entschieden, dass etwas getan werden muss: ein Politiker, der erkennt, dass das Schönreden einer Situation diese nicht verändert – ein Weltklassesportler, der seine Trainingsmethoden ständig verändert, weil er den Stillstand/die Routine als Rückschritt erkannt hat – ein Unternehmenslenker, der eine Kultur der Wertschätzung aufbaut, weil er sieht, dass das Gewinnstreben des Unternehmens  seine Angestellten  nicht zufrieden macht – ein Ehemann, der sich entscheidet, seine Frau zu lieben und zu ehren (bis dass der Tod die beiden scheidet), ohne von ihr eine Gegenleistung zu verlangen… Alle diese Beispiele haben eines gemeinsam: wer die Initiative ergreift, kennt das Endergebnis nicht. Er will einfach nicht mehr so weitermachen und geht deshalb ein Risiko ein.

Ein biblisches Beispiel für Initiative: Nehemia
Nehemia lebte zusammen mit dem israelischen Volk in der persischen Gefangenschaft. Er war der Vorkoster des persischen Königs. Sein Herz war voller Trauer über den Niedergang Israels und insbesondere Jerusalems und er ergriff die Initiative, um daran etwas zu ändern. Er musste handeln – Sorglosigkeit war für ihn keine Alternative. Er betete für den Wiederaufbau der Stadtmauer Jerusalems, plante ihn und überzeugte das Volk davon,  zu handeln und mit Nachdruck das gesetzte Ziel des Wiederaufbaus zu verfolgen. In dieser Reihenfolge.

Was befähigt gute Leiter, Veränderung zu initiieren? Nehemia demonstriert, dass ein Leiter etwas in seinem Herzen oder Magen spürt, das ihn zum Handeln bewegt. Er weiss nicht alles, er weiss aber genug, um zu handeln.
Nehemia kannte:
1. Dauer des Projektes: (Neh 2,6 Hoffnung für Alle: “Der König, neben dem die Königin saß, fragte mich: “Wie lange soll deine Reise dauern? Wann bist du wieder zurück?” Als ich ihm einen Zeitpunkt nannte, stimmte er zu. “)
2. Weg/Richtung: (Neh 2,7 : “Dann bat ich ihn: “Mein König, wenn du möchtest, so gib mir bitte Briefe an die Provinzstatthalter westlich des Euphrat mit, damit sie mir die Durchreise nach Judäa gestatten.”)
3. Ausrüstung für den Wiederaufbau: (Neh 2,8: “Außerdem bitte ich dich um ein Schreiben an Asaf, den Verwalter der königlichen Wälder, denn ich brauche Holz für die Torbalken der Burg am Tempel, für die Stadtmauer und für das Haus, in dem ich wohnen werde…”)
4. Gott: ( Neh 2,8 HfA: “…Der König gab mir die Briefe, denn Gott stand mir bei.”)

Nehemia gibt uns ein gutes Beispiel über die Qualitäten initiativer Leiter:

  1. Sie wissen, was sie wollen: Verlangen ist der Ausgangspunkt jeder Errungenschaft: Nehemia wollte die Mauer wieder aufgebaut sehen.
  2. Sie fordern sich selbst zum Handeln auf: Zuerst agierte Nehemia alleine; sein Handeln motivierte Andere.
  3. Sie nehmen mehr Risiken auf sich
  4. Sie machen mehr Fehler
  5. Sie handeln nach ihrem Herzen: Was Nehemia an Erfahrung fehlte, machte er durch die Leidenschaft des Herzens wett.

Ergebnis: Die Stadtmauer wurde in nur 52 Tagen fertig gestellt.

Jeder von uns hat ein inneres Verlangen, eine ganz persönliche, wieder aufzubauende Stadtmauer: Wir entscheiden, ob wir dieses Verlangen und damit auch einen Teil von uns selbst begraben oder ob wir die Initiative ergreifen und unser Ziel erreichen. Mach’ es zu Deinem Projekt…

Das Herz eines Leiters – Ein Leben, das einen Unterschied macht (II)

Die Entwicklung der richtigen Herzenshaltung; Fortsetzung

2. Charakter:
Der ehemalige US-General Norman Schwarzkopf hat das folgende Zitat geprägt: “Leadership ist eine kraftvolle Kombination aus Charakter und Strategie. Wenn Du auf eines der beiden verzichten müsstest, verzichte auf die Strategie.” Er sagt damit aus, dass der Charakter eine unverzichtbare Grundlage guter Leiterschaft ist.
Charakterstärke lässt sich als Selbstleitung definieren. Sobald wir in der Lage sind, unser Leben gut zu leiten, werden andere bereit sein, uns zu folgen.  Alles beginnt mit dem Charakter, weil Leitung auf der Basis von Vertrauen operiert. Wenn Menschen uns nicht vertrauen, werden sie uns auch nicht oder nur widerwillig folgen. So gesehen kann ein Diktator, ein egoistischer Firmenlenker oder ein selbstverliebter Fussballstar nie als charakterstark bezeichnet werden, auch wenn er als starke Persönlichkeit über Charisma verfügt.
Hier einige Eigenschaften der Charakterstärke:
a. Charakterstärke vermittelt Glaubwürdigkeit/Vertrauen: In einer Zeit des Opportunismus’ ist derjenige, der bereit ist, eine moralische Grenze zu ziehen, egal, ob er davon profitiert oder nicht, jemand,  zu dem man Vertrauen hat. Der charakterstarke Leiter zeichnet sich durch ein hohes Mass an Selbstdisziplin aus. Er hat sich entschieden, nicht mit dem Strom zu schwimmen, weil er sich das Resultat nicht leisten kann & will.
b. Charakterstärke weckt Respekt: Manchmal erfordert der schmale Weg persönliche Opfer. Eigene Grenzen, gewachsen aus tiefen Überzeugungen, und ethische Massstäbe sind der Kompass des Lebens; nicht die Erwartungen anderer. Der Lohn ist Ansehen und Akzeptanz.
c. Charakterstärke bewirkt Beständigkeit: Weil der Weg zu einem grossen Ziel (dem “Ja!) oftmals viele “Nein” erfordert. Hierzu muss der Leiter wissen, dass seine Identität nicht in seinem Tun zu finden ist, sondern in seinem ‘Sein’ ruht. Er muss sich nicht profilieren, um vor anderen besser dazustehen.

Ein biblisches Beispiel für Charakterstärke: Daniel
Daniel, ein Gefangener aus Israel, kam in der babylonischen Gefangenschaft zu grossem Ansehen, gerade weil er nicht bereit war, seinen Gott & dessen Prinzipien zu kompromittieren. Hier ist, was ihn auszeichnete:
a. Seine Diät: Daniel ass  nicht von den für sein Volk verbotenen Speisen in der Gefangenschaft sondern beschränkte sich auf Gemüse: (Daniel 1, 8 & 15f, Hoffnung für Alle: “Daniel nahm sich fest vor, niemals von der Speise des Königs zu essen und von seinem Wein zu trinken; denn sonst hätte er das Gesetz Gottes missachtet, das bestimmte Speisen für unrein erklärt. Darum bat er Aschpenas, auf die königlichen Speisen und den Wein verzichten zu dürfen…Nach zehn Tagen sahen Daniel und seine Freunde sogar gesünder und kräftiger aus als alle anderen, die von den königlichen Speisen bekamen. Darum gab der Aufseher ihnen von nun an immer Gemüse, von der Tafel des Königs brauchten sie nichts zu nehmen.”)
b. Seine Motive: Daniel nahm die Fahigkeit, Träume zu deuten, nicht für sich in Anspruch, sondern gab Gott die Ehre dafür: (Dan 2, 27f: “Mein König”, erwiderte Daniel, “hinter dein Geheimnis kann keiner deiner Berater kommen, weder Geisterbeschwörer noch Wahrsager, noch Sterndeuter. Aber es gibt einen Gott im Himmel, der das Verborgene ans Licht bringt.”)
c. Seine Ehrlichkeit: Daniel sagte den Obrigkeiten die Wahrheit, egal, wie unpopulär sie war.
d. Seine Disziplin: Daniel betete täglich, obwohl es ihn sein Leben kosten konnte: (Dan 3, 17f: Unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem Feuer und aus deiner Gewalt retten. Aber auch wenn er es nicht tut, musst du wissen, o König, dass wir nie deine Götter anbeten oder uns vor der goldenen Statue niederwerfen werden.”)
e. Seine Integrität: Daniel lehnte Bestechungen und Bezahlungen ab: (Dan 5, 17: Daniel erwiderte: “Eine Belohnung möchte ich nicht annehmen. Du kannst sie ruhig einem anderen geben. Ich werde dir die Schrift auch so vorlesen und deuten.”)
f. Seine Überzeugungen: Daniel blieb seinen Überzeugungen und seinen Freunden auch verpflichtet, als er mehr und mehr in Babylon aufstieg:  (Dan2, 48f: “Nebukadnezar gab Daniel eine hohe Stellung am Hof und beschenkte ihn großzügig. Er setzte ihn als Statthalter über die ganze Provinz Babylon ein und ernannte ihn zu seinem obersten Berater. Auf Daniels Wunsch betraute er Schadrach, Meschach und Abed-Nego mit der Verwaltung der Provinz Babylon. Daniel selbst blieb am Hof des Königs.”)

Jeder Leiter sollte sich folgendes über den Charakter vor Augen führen:
1. Charakter ist mehr als Worte: Jeder kann von Integrität sprechen, doch seine Handlungen offenbaren den wahren Charakter.
2. Talent ist eine Gabe, Charakter eine Entscheidung: Viele Dinge in unserem Leben können wir nicht kontrollieren oder wählen, doch mit jeder Entscheidung die wir treffen, wird Charakter geformt; positiv oder negativ.
3. Charakter bringt dauerhaften Erfolg mit Menschen: wahre Leiterschaft involviert andere Menschen; nur, wenn die Menschen uns vertrauen, werden sie uns dauerhaft folgen.
4. Leiter können nicht über die Grenzen ihres Charakters hinaus wachsen: Entweder begrenzt der Charakter den Leiter oder er unterstützt ihn.  Der Charakter entscheidet darüber, ob ein Leiter bleibenden Erfolg hat.

Fortsetzung folgt…

Das Herz eines Leiters – Ein Leben, das einen Unterschied macht (I)

Der bekannte Leadership-Coach, Dr. John C. Maxwell, hat den Ausdruck geprägt: “Menschen kümmern sich nicht darum, wieviel Du weisst, bevor sie wissen, wie sehr du dich um sie kümmerst.” Er drückt damit aus, dass der Leiter zuerst sein Herz für die Menschen in seinem Umfeld zeigen muss, bevor er sie um eine helfende Hand bitten darf. In unserer heutigen Welt ist es schon fast aussergewöhnlich, dass ein Leiter, Chef, Trainer, Vorgesetzter etc. sich um die Herzensangelegenheiten seiner Mitarbeiter, Spieler, Schüler etc. kümmert. “Jeder ist sich selbst der Nächste” so lautet die Devise. Mit dieser Einstellung wird ausser Acht gelassen, dass sich der ‘Nachfolger’  für den Leiter zerreissen wird, wenn er spürt, dass dem Leiter sein persönliches Wohlergehen am Herzen liegt. Damit wird der Nachfolger zu einem unverzichtbaren Schatz auf dem Weg zu einem gemeinsamen Erfolg.
Ein Leiter mit Herz hat ein wichtiges biblisches Prinzip für sich in Anspruch genommen: “Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.” (Sprüche 4, 23; Neues Leben). Indem er sein Herz, seine Gedanken und seine Gefühle mit den Bedürfnissen anderer Menschen verbindet, wird er automatisch zu deren Vorbild. Er spendet Leben, das aus der Quelle seines eigenen Herzens hervorgeht.
Leider kommt es heutzutage häufig vor, dass sich Leiter ihrer Herausforderung nicht stellen, wenn der Augenblick gekommen ist. Dies liegt meist daran, dass sie ihr Herz nicht darauf vorbereitet haben zu dienen. Wie kann man  aber eine richtige Herzenshaltung entwickeln? Hierzu einige Anregungen:
1. Entwicklung eines grossen, über die eigenen Fähigkeiten hinausgehenden Ziels: Hierzu folgende Fragen:
a. Was sind meine Träume und Visionen?
b. Was sind meine leidenschaftlichen Anliegen? Was macht mich zornig? Was bringt mich zum Weinen? Was zum Lachen?
c. Was sind meine natürlichen Talente? Was kann ich gut? Was nicht? Was fällt mir leicht?
d. Was habe ich gelernt?
e. Was bestätigen andere bei mir?
f. Welche geistlichen Gaben hat Gott mir gegeben?
g. Welche Gelegenheiten bieten sich mir?

Ein Beispiel zur Illustration: Ein erfolgreicher Manager einer Bank träumt davon, dass die Finanzen, die täglich durch das Finanzsystem fliessen, für einen guten Zweck eingesetzt werden (Traum/Vision). Als er abends im TV eine Reportage  über sexuellen Missbrauch von Kindern sieht, treibt es ihm die Tränen in die Augen und er ballt voller Wut die Hände. Im selben Moment kommt sein Sohn zu ihm, um ihm eine ‘Gute Nacht’ zu wünschen, und er ist so dankbar dafür, dass sein Sohn gesund ist und ein glückliches Leben ohne Gewalt leben darf (Leidenschaft). Der Manager hat jahrelange Erfahrung im Umgang mit grossen Geldvermögen (Qualifikation) und der Umgang mit Zahlen und Finanzen fällt ihm sehr leicht (Talent). Die Vorstandskollegen der Bank bestätigen ihm immer wieder, wie sehr sie seine Qualifikation und seinen Weitblick schätzen. Ausserdem halten sie ihn für einen hervorragenden Redner (Bestätigung). In einem Traum erhält der Manager einen Blick durch Gottes Augen auf das furchtbare Elend dieser missbrauchten Kinder (Geistliche Gabe) und in seinem Herzen formt sich eine Entscheidung: er möchte fortan seinen Einfluss, sein Vermögen, seine Kontakte – sein Leben – einsetzen, um gegen dieses Elend  zu kämpfen (Gelegenheit). Sein Ziel lautet: Ich werde diese Kinder retten – erst eines, dann noch eines und noch eins…

Dieser Mann hat sich entschieden, einen Unterschied zu machen…

Fortsetzung folgt…

Leiten mit Bestimmung – Der Einfluss des Backsteins

Eine altes Sprichwort sagt: “Lebe jeden Tag, als wäre es Absicht.” Die Realität sieht heutzutage anders aus: viel zu viele Menschen gehen durch ihr Leben ohne Ziel. Sie werden gelebt von ihren Umständen, Erfahrungen und Emotionen. Zu häufig stellen sie sich die Frage: ‘War das schon alles?’. Leider trifft diese Einschätzung auch auf zahllose Leiter zu, die eigentlich einer klaren Vision der Zukunft nachleben sollten. Wenn der Leiter nicht erkennt, was seine Bestimmung im Leben ist, wie kann er es dann von seinen Mitarbeitern, Nachfolgern, Kindern erwarten… Richtungslosigkeit als ‘Volkskrankheit’. Dies war nie Gottes Plan. Er sagt in seinem Wort: Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe, spricht der Herr. Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung. (Jeremia 29,11; Neues Leben).
Manchmal gebraucht Gott als Weckruf den ‘Backstein’. Hierzu ein Beispiel: Ein erfolgreicher, junger Banker befindet sich in seinem neuen Jaguar auf der Fahrt nach Hause. In seinen Gedanken lässt er seine Tageserfolge an sich vorüber ziehen und ist berauscht von seiner Macht, als ihm plötzlich unvermittelt ein Backstein in die Seitentüre seines Autos fliegt. Er legt eine Vollbremsung hin, fährt zurück und steigt aus, bereit den Täter in jeder nur möglichen Art zu verwünschen. Als er den Schaden begutachtet, kommt ein kleiner Junge auf ihn zu. Der Mann führt ihm vor Augen, was er (der Junge) ihm angetan hat, wie neu der Jaguar  und wie furchtbar der Schaden ist. Der Junge antwortet betroffen, dass sein grosser Bruder aus seinem Rollstuhl gefallen ist und in der nächsten Parklücke liegt. Über 30 Minuten hat der Junge  erfolglos versucht, Hilfe zu bekommen, weil sein Bruder zu schwer für ihn ist, um ihn wieder in Rollstuhl zu heben. So wusste der Junge sich nicht anders zu helfen. Von einer Sekunde zur anderen ist jeder Zorn in dem Mann verraucht; er hilft dem Jungen mit dem Rollstuhl und hebt seinen Bruder hoch. Der Junge bedankt sich und fährt mit seinem Bruder weiter. Der Mann ist so berührt, dass er das Loch in seiner Autotür nie reparieren lässt, denn er will jeden Tag daran erinnert werden, wie Gott ihm gezeigt hat, dass um ihn herum eine Welt existiert, die seine Aufmerksamkeit erfordert.
Wir alle kennen vergleichbare Backsteinsituationen: eine schlechte Diagnose vom Arzt, der Verlust des Arbeitsplatzes, der Tod eines lieben Menschen, ein Berg unbezahlter Rechnungen… Ist dies das Ende? Für stolze, selbstgerechte, egoistische Menschen, deren Lebensinhalt nur in der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse besteht – durchaus möglich. K.O. durch Backstein.
Für jemanden in einer persönlichen Situation der Unentschlossenheit oder auf der Suche nach einem tieferen Sinn im Leben mag der Backstein durchaus als Wecker wahrgenommen werden und der Anstoss für persönliche Veränderung zum richtigen Zeitpunkt sein.
Eine Person mit Blick auf das grössere Ganze hingegen wird den Backstein nur als vorübergehendes Störfeuer auf dem Weg zur Erfüllung seiner Vision betrachten, denn er hat den Glauben daran, dass was Gott zusagt, das kann er auch tun.” (Römer 4, 21; Gute Nachricht).
Wahre Leiterschaft setzt die Kühnheit voraus, die Existenz von Backsteinsituationen anzuerkennen, sich aber davon nicht auf dem Weg zu einem Gott gebenenen Ziel aufhalten zu lassen. Ablenkungen existieren, doch als Leiter halten wir an der Richtung fest – und leisten damit einen unschätzbaren Beitrag für die Richtungsfindung all derer, die uns als Leiter anerkennen.

Leadership und Vision – ein unzertrennliches Paar

Eine indianische Weisheit sagt: Kein Mensch beginnt zu sein, bevor er seine Vision empfangen hat. Wenn dem so ist, wird die Vision in unserem Leben zum Kern dessen, was wir sind und sein werden.  Vision findet, anders als der Blick des Auges, mit dem Herzen statt. Nichts Edles oder Bemerkenswertes wurde je in der Geschichte der Menschheit ohne Vision getan. Vision reisst die  Begrenzungen dessen nieder, was wir mit dem Auge sehen können, und öffnet uns den Weg in die Freiheit, mit dem Herzen zu sehen. Aus diesem Grund ist es unmöglich, Leadership von Vision zu trennen.

Der Leiter begnügt sich nicht mit einer bestehenden, unbefriedigenden Situation, sondern sehnt sich nach einer positiven Veränderung. Er sieht, ausgehend von der Vergangenheit in der aktuellen Gegenwart die Zukunft. Aber er geht noch weiter: er nimmt auf sich, was notwendig ist, um seine Vision für andere sichtbar zu machen.
In meinem Verständnis ist eine Vision immer verbunden mit einer positiven Veränderung einer existierenden  Situation. Ein Visionär schafft eine kollektiv und nicht nur persönlich für sich bessere Zukunft. Wir finden Beispiele in der Geschichte von Persönlichkeiten/Leadern, die sich selbst als visionär bezeichnet haben, deren Weg auch mit einer dramatischen Veränderung der Gegenwart einherging, die aber nichts als Tod, Leid, Schmerz, Elend und Armut hinterlassen haben.  Nazi-Deutschland oder der Kommunismus werden immer in unserem Gedächtnis bleiben. Die Köpfe dieser Entwicklungen sind für mich keine Visionäre.
Andererseits gibt es Menschen, die von einer Vision derart eingenommen waren, daß sie bereit waren dafür zu sterben und von deren Einsatz die Welt heute immer noch profitiert. Ich denke an die Abraham Lincolns, Martin Luther Kings, Mutter Theresas und ‘Paulusse’ dieser Welt. Ihr Kampf für Freiheit  und gegen Armut, ihr Einsatz gegen Gewalt und für eine lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer etc. haben ein ewiges Vermächtnis hinterlassen.
Diese Ewigkeitsdimension einer Vision kann nur von Gott gegeben werden, der in seinem Wort sagt: Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt (Prediger 3,11, Neues Leben). In der heutigen Zeit stehen Menschen auf mit einer Vision, die direkt von Gottes Herzen in das Herz der Menschen gelegt wurde: Sie wollen kämpfen gegen Misshandlung, Gewalt gegen Frauen und Kinder, gegen Pornographie, Drogen und Krieg, gegen Hass und Unterdrückung, gegen Hunger und Armut. Diese Menschen werden mit ihrer Vision andere begeistern und damit zu Leadern, die nicht aufhören, bevor sie ihre Vision in der Realität sichtbar gemacht haben.

Thomas Woodrow Wilson, (1856 – 1924), US-amerikanischer Historiker und 28. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, sagte: Wer keine Vision hat, vermag weder große Hoffnung zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen. Er sprach damit einen zeitlosen Konflikt und seine Lösung an. Ohne Vision gibt es weder Hoffnung noch Lösung. Aber: Visionäre, Gott hingegebene Leiter sind die Hoffnung und die Antwort auf die Herausforderungen dieser Welt. Nicht mehr und nicht weniger.

Jeder Mensch ist ein Leiter

Wenn es um das Thema Leadership geht, fühlen sich viele Menschen nicht angesprochen. “Ich bin kein Leiter”, so ihr Gedanke. Diese Reaktion beruht auf der falschen Annahme, sie seien ja kein Chef oder Trainer… Weit gefehlt. Denn Leitung bedeutet Einfluss. Es gibt Statistiken, die besagen, dass selbst die introvertierteste Persönlichkeit in ihrem Leben mehr als 10′000 Menschen beeinflusst. Wer sich also nicht als Leiter sieht, verfügt über keinen Einflussbereich. Er/Sie ist weder Vater noch Mutter, weder Sohn noch Tochter, weder Verwandter noch Bekannter, weder Freund noch Feind, weder Arbeits- noch Mannschaftskollege. Selbst ein Eremit wurde nicht als Eremit ohne Eltern geboren, sondern folgte einem Einfluss.
Damit wird deutlich, daß jeder Mensch ein Leiter ist – was nicht heisst, daß jeder Mensch ein guter Leiter ist, denn es gibt viele Menschen, die durch ihr Vorbild ‘verleiten‘.

Ein guter Leiter wird andere Menschen auf ein lohnendes Ziel hin beeinflussen. Dies geschieht in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Lebens. Wenn z.B. die Eltern ihre Kinder erziehen, dann tun sie dies in der Hoffnung, daß ihre Kinder für die Stürme des Lebens ausgerüstet werden. Wenn ein Fussballtrainer seiner Mannschaft in der Halbzeit seine Meinung sagt, dann deshalb, weil er eine positive 2. Spielhälfte und einen Sieg erwartet. Wenn ein Chef seine Mitarbeiter zu mehr Leistungsbereitschaft motiviert, dann deshalb, weil er das Unternehmensergebnis verbessern will.
Der gute Leiter muss sein ‘Team’ davon überzeugen, daß das Ziel für alle lohnend ist, denn nur so bringt er sein Team dazu, ihm zu folgen. Er muss sich das Recht verdienen zu leiten, während andere selbst entscheiden, ob sie dem Leiter folgen wollen.

In der heutigen Gesellschaft haben wir ein verzerrtes Bild von Leiterschaft: Egoistische Leiter, stolze Leiter, unehrliche Leiter oder Leiter mit falschen ethischen Grundsätzen haben viele Menschen dazu gebracht, das Thema Leadership zu ignorieren.
Dabei sehnen wir uns innerlich danach, einem Leiter zu folgen, der gerecht, ehrlich, integer, liebevoll und gnädig ist. Doch liegt es an jedem von uns, ein Mensch mit solchen Charaktereigenschaften zu werden. Sollten wir uns dazu entscheiden, wird unser Einfluss zunehmen, weil wir etwas Anziehendes auf andere Menschen ausüben und wir gelangen dem etwas näher, wozu Gott uns am Anfang der Zeit ausersehen hat: Leitung, Autorität und Herrschaft (nicht Diktatur).

“Dann sprach Gott: »Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.« So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau.Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.« (1. Mose 1, 26-28; Gute Nachricht)